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Musik zur Trauung

Wenn das Brautpaar einen besonderen Musikwunsch hat

Notenblatt, TRauringe, Blumenstrauß

Brautpaare haben meist ganz konkrete Musikwünsche

Hannah und Jonas hatten eine wunderbare Hochzeit. Ihre beste Freundin hat das Ave Maria vorgetragen, lateinisch, herrlich. So harmonisch kann es sein. Aber manchmal raten Pfarrer oder Pfarrerin von einem bestimmten Musikstück ab, weil der Text unpassend sei oder das Stück auf der Orgel nicht spielbar sei.

Manchmal entzündet sich ein Streit am Ave Maria. „Das ist ja so ein schönes Musikstück“, sagt Kirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum, „aber zutiefst unevangelisch.“ Was da anspreche, sei diese Musik, diese wunderbare Melodie. „Aber den lateinischen Text versteht sowieso niemand.“ Das sei nicht anders als bei vielen englischen Musikstücken, mit denen das Radio das Leben vieler Menschen begleite. „Die Musik prägt stärker und wirkt stärker als der Text.“ 

Musik wirkt viel stärker als der Inhalt

Lieder, die vorgetragen werden, werden ohne ihren Text wahrgenommen. „Da habe ich inzwischen ein weites Herz, sagt die Kirchenmusikdirektorin im Zentrum Verkündigung der EKHN. „Alles, was nicht unseren Inhalten widerspricht, kann gern kommen.“ Als Beispiel nennt sie das berühmte Largo von Händel. Der italienische Text handelt von König Xerxes, der Frauen liebt und auch Pflanzen. Im Largo besingt Xerxes eine schattige Platane. „Was hat das bei einer Hochzeit zu suchen?“ Fragt Kirschbaum. Über solche Fragen könne man doch mit dem Brautpaar zu sprechen. 

Musikwünsche der Brautpaare ernst nehmen

Ebenso lohne es sich, über den Wunsch nach der Musik aus StarWars ins Gespräch zu kommen. „Vermutlich will niemand den Krieg der Sterne,“ erklärt die Kirchenmusikdirektorin. Aber mit dieser Musik verbänden sich wichtige Lebenserfahrungen. „Wir müssen die Situation der Menschen, von denen viele nur selten in eine Kirche kommen, ernst nehmen.“  So unterschiedlich seien die Menschen, die einen kirchlichen Dienst erbäten, von der Kirchgängerin bis zum Gelegenheitsbesucher, vom Ausgetretenen bis zum Partner mit einem anderen Glauben. 

Viele Gesangbuchstrophen kann man heute nicht mehr singen

Auch manche Gesangbuchstrophen könne man heute nicht mehr unbefangen singen. Kirschbaum meint Texte und Begriffe, die aus einer anderen Zeit kommen und heute anders gehört werden, wie „Volk“ und „Rasse“ oder wie Gott die Feinde einer „christgläubgen Schar niederlegen“ wird (EG 136). Da auch beim Singen die Musik den Vorrang habe, sei dennoch für den Text „Sorgfalt geboten.“ Solche Fragen ließen sich im Gespräch leicht klären. „Lieber Interpretation als Konfrontation.“ Viele Paare wünschen sich „So nimm denn meine Hände“. Ein Blick in den Text zeige sofort: Das ist ein Lied für die Beerdigung.

Popmusik aus dem neuen Gesangbuch

Weil viele Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch (EG) inzwischen weit weg vom Leben vieler Menschen sind, hat die EKHN 2017 das EGplus herausgebracht, ein Liederbuch mit bekannten Liedern und Schlagern, von denen manche neue, christliche Texte  erhalten haben. Da finden sich jetzt Schlager wie die Fußballhymne „You’ll never work alone“ und das beliebte Stück „Amazing Grace“ oder Eric Claptons Hit "Tears in Heaven" und Rod Stewarts "Sailing". 

Kirchenmusikdirektorin Kirschbaum gibt dem gesungenen Lied den Vorrang vor der Konserve. „CD oder USB-Stick ist die zweitbeste Lösung.“ Es könne ja sein, dass das Paar sich bei einem ganz bestimmten Lied kennen gelernt hat. „Ich wünsche mir, dass solche Dinge inhaltlich aufgenommen werden.“ Man könne den Titel ja auch auf einem passenden Instrument spielen. Und Lieder, die nicht alle Teilnehmer kennen, könne man mal kurz ansingen, wie das bekannte - und doch nicht mehr bekannte - „Lobe den Herren“. 

[Pfarrer Hans Genthe]


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